Kleine, aber feine Skitour auf die Weißseespitze

Am letzten April Wochenende wollten wir noch nicht so recht in den Frühling starten und haben daher das geniale Wetter für eine nicht allzuleichte, aber sehr leicht zu erreichende Skihochtour genutzt.

Im Aufstieg: Unten rechts das Nörderjoch, hinten der Stausee

Die Weißseespitze trohnt über dem Kaunertaler Gletscherskigebiet inmitten von tollen 3000ern: Die Weißkugel liegt gegenüber, in Blickweite befindet sich die Wildspitze und man sieht ohne weiteres zum Ortler, zur Königsspitze und zum Cevedale. Landschaftstechnisch ist das Gebiet also mehr als beeindruckend.

Blick auf den vergletscherten, sehr steilen Abschnitt

Die Tour auf die immerhin 3500m hohe (wird mal knapp über 3500, mal knapp darunter angegeben) ist super leicht zu erreichen, denn man startet auf dem 2750m hoch gelegenen Parkplatz des Gletscherskigebietes und kann sogar noch 200 weitere Höhenmeter sparen, wenn man den Nörderjoch I Schepplift als weitere Aufstiegshilfe nutzt.

Unterschätzen sollte man wegen der wenigen Höhenmeter die Tour aber auf keinen Fall. Beim Aufstieg und bei der Abfahrt sind sichere Lawinenverhältnisse Voraussetzung. Vor allem bei der von uns gewählten direkten Variante, bei der man vom Schlepplift Richtung Nörderjoch aufsteigt, knapp darunter dann nach rechts in die steile Gletscherwand einsteigt. Bei uns hatte es die Lawinenwarnstufe I, was den Aufstieg für uns erst möglich machte. Ich kann nicht empfehlen bei anderen Verhältnissen dort einzusteigen, schließlich hat der Endaufschwung eine Steilheit weit über 45 Grad (man liest bis zu 55Grad). Es gibt noch zwei Varianten, bei denen man entweder übers Nörderjoch aufsteigt und auf der anderen Seite den Hang Richtung Zahn quert, oder vom Nörderjoch direkt über den Kamm bis auf den Gletscher aufsteigt. Beides aber nur gering weniger lawinengefährdet.

Im steilsten Teil war für uns nicht mehr an Spitzkehren zu denken

In unserer Variante sollte man für den oberen Teil auch Steigeisen einpacken. Wir hatten Glück und konnten mit etwa 30cm Schneeauflage über das Eis stapfen und so die sehr steile Passage meistern. Wer hier noch Spitzkehren gehen kann, der hats wirklich drauf, so steil ist dieser Bereich. Wenn man aber diese Schlüsselstelle geschafft hat, hat man nur noch einen milden Aufschwung vor sich, bevor man auf der Weißseespitze steht und die beeindruckende Landschaft genießen kann. Wirklich unbeschreiblich schön.

Da blitzt das blaue Gletschereis durch!

Wir wollten aber natürlich auch die Abfahrt genießen und sind die Münchern Variante abgefahren. Dabei handelt es sich um einen riesigen Gletscherabbruch, der inzwischen auch um die 45 Grad steil sein muss. Daher sind auch hier absolut sichere Verhältnisse gefragt. Man sollte auch nicht zu spät abfahren, da hier die Sonne richtig Kraft entwickeln kann und den Hang aufweichen kann. Die Weite dieses Hanges, der direkt vom Gepatschferner zum Staussee hin abbricht ist gewaltig.

Blick auf die Weißkugel

Erreichen kann man ihn leicht, in den man über den Gepatschferner abfährt, und sich links hält. Weitere Varianten wären, den Gepatschferner in seiner gänzlichen Länge abzufahren oder zurück in Skigebiet, der Aufstiegsspur nachzufahren.

Wer genau hinsieht kann hinten den Ortler, die Königsspitze und den Cevedale erkennen

Eine oftmals beschriebene tolle Abfahrt über die Nordwand ist leider nicht mehr machbar, da hier der Gletscher komplett herausgetaut ist und es sich nun um sehr felsiges Terrain handelt.

Die Abfahrt über den riesigen Gepatschferner

Wenn man dann nach der Münchner Variante wieder ins Tal hinausfährt, kann man den Skibus zurück ins Skigebiete nehmen.

Der riesige Hang der Münchner Variante – sehr breit und steil

Ganz hinten kann man den Gletscherabschwung der Münchner Variante sehen

Für uns eine gelungene spät frühjahrliche Tour, die nicht zu lang aber umso beindruckender ist. Freeride Paradise mit unendlichen Weiten inbegriffen.

 

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