Kommentar: Nachts im Wald Radfahren ist rücksichtslos

Wer lange arbeitet, hat oft keine andere Wahl, als spät abends noch biken zu gehen. Dank besserer Lampen ist das auch kein so ein großes Problem mehr wie früher, auch wenn ein Restrisiko bleibt. Schlechte Sicht ist aber nicht der einzige Grund, warum man nicht unbedingt noch nachts zum Biken in den Wald fahren sollte.

Die Lampen für Mountainbikes, die es nun sogar mit steuerbarer Bluetooth Funktion gibt, werden immer stärker. Sie scheinen noch heller, haben einen besseren Akku und sogar eine Anzeige über Temperatur und Batterieladestand. So ausgerüstet geht es am Abend in den Wald. Selbst Red Bull nennt fünf irrwitzige Gründe, warum man nachts im Wald biken sollte. (Weil es geht, Weil es Sinn macht, Weil das TV Programm alternativlos ist)   RED BULL

Dabei ist es höchst problematisch für das Wild. Selbst Kreisjägergruppen, die mit Nachtzielgeräte auf Schwarzwild Jagd machten wollten, bekamen einen Dämpfer. Denn das Wild würde selbst bei dieser geringen Störung keine Ruhe mehr finden. Am Tag ist der Wald von Bauern, Spaziergängern und Freizeitsportlern bevölkert und abends benötigt das Wild Ruhe, um sich zu erholen. Unruhestifter, wie ein Schuss aus einem Gewehr mit Nachtzielgerät würden Rehe weiter verschrecken. Hatte ein Reh früher zwölf Äsungsperioden, sind es heute nur noch drei bis vier. Wenn es im Sommer bis gegen 21.00 Uhr hell ist, kann man problemlos die Natur genießen. Selbst bis zu dieser Uhrzeit stört man als normaler Naturnutzer das Wild nur bedingt; zumindest solange man sich auf den Wegen aufhält. Denn das Wild ist entweder in hohen Feldern, im Wald, in einer Dickung, oder sucht anderweitig Unterschlupf und findet dort genügend Nahrung.

Nachtradtouren im Wald verursachen große Probleme

Wird das Gebiet jedoch häufig von Touristen genutzt oder geht es auf die kalte Jahreszeit von Oktober bis April zu, sollte man sich bei Dunkelheit völlig aus dem Wald fernhalten. Das Wild hat keine Deckung, die Laubbäume und Hecken sind kahl und die Felder nicht bewachsen. Zudem findet das Wild nur wenig Nahrung. Der Stoffwechsel wird heruntergefahren und läuft auf Sparflamme. Während das Wild bei Tageslicht an Menschen und Radfahrer gewohnt ist, kann es bei Dunkelheit oder Dämmerung auf Futtersuche gehen. Wird es nun aber von Radfahrern in der Futtersuche gestört, muss es sich im Wald nach Futter umsehen. Denn es reicht schon aus, wenn die Radfahrer am Waldrand in Dunkelheit entlang fahren. Hier liegt nämlich das Futter.

Das Wild fühlt sich beobachtet und flüchtet zur Nahrungsaufnahme in den Wald und verbeißt sich an den neuen Trieben. Darüber sind die Waldeigentümer nicht erfreut und durch die steigenden Kosten, werden von den Waldeigentümern höhere Abschussraten für das Wild gefordert. Vor allem Pflanzenfresser wie Hasen und Rehe werden auch noch durch freilaufende Hunde und plötzlich auftretende MTBs bei Dunkelheit so aufgeschreckt, dass der ständige Energieverlust dazu führt, dass diese auf der Flucht Verletzungen erleiden oder sogar verhungern. Zudem sind Radfahrer aufgrund der hohen Geschwindigkeit vom Wild nur schwer einzuschätzen.

Rad fahren im Winter erfordert Rücksicht und Vorsicht

Deshalb ist es klug und umsichtig, sich nur bei Tageslicht im Wald zu bewegen. Und allen Trends über bessere Lampen (Lupine) und Nacht-MTB-Veranstaltungen eine klare Absage zu geben. Im Herbst hat das Wild ebenfalls noch mit Pilzsammlern zu kämpfen. Diese bewegen sich lautlos durch den Wald und sorgen unbewusst zu einer Häufung von Wildunfällen.

Wer also am Abend noch einmal MTB gehen möchte und es bereits dunkel wird, sucht sich für sein Hobby besser ein Betätigungsfeld außerhalb der Wälder und falls möglich, auch nicht direkt am Waldesrand. Denn genau hier sucht das Wild seine Nahrung. Und wer erkennt, dass ein Radsportgeschäft aus Umsatzgründen diese Fahrten in der Nacht anbietet, um seine neuen Lampen vorzustellen, sollte aufklären. Miteinander statt gegeneinander. Gegenseitige umsichtige Rücksichtnahme schafft Gemeinsamkeiten.

Roger Taiber

www.taiber-unternehmensberatung.de

 

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