Charakterstudien: Der Oldschooler sagt: “ Das Bike war schon vor 15 Jahren gut, was soll jetzt schlecht dran sein?“


Das Einzige was er so Neues hat sind die Clickies. Da steht er, mein guter alter Bikekumpel Andy- in Lycraträgerhose und engem Radltrikot. Neben uns schaut er aus wie ein Marsmännchen- völlig deplatziert. Unser Gemächt ruht in einer bequemen Bikeshort neuerer Machart. Ein oberlässiges Freeride – shirt der Marke „Fuchs“ umweht unseren mehr oder weniger gestählten Oberkörper.


Er, mit eintönigem Halbschalenhelm aus den 90er Jahren, wir dagegen mit dem neuesten Endurokopfschutz im „Playmobil- Look“. 
Sein Bike, wie aus dem Bikemuseum: langgestrecktes Hardtail in Stahl mit 80er Federgabel, zu der er meint, mehr Travel würde die Fahreigenschaften seines Drahtesels dermaßen verändern, dass das Velo unfahrbar würde. Ausserdem  kann er sich um Himmels Willen nicht vorstellen, wozu man Scheibenbremsen  brauchen könnte. Und da kommt dann auch schon, der Spruch, der ihn auszeichnet: „Früher sind wir auch mit der Cantileverbremse den Berg runtergekommen- was soll an  der Scheibenbremse besser sein?“ 
Verständnislos blicken wir ihn an. Meine Gedanken schweifen ab und ich erinnere mich 2011 an die Scott Gang Battle in Saalbach- 15 Minuten gings brutalst steil die Rennstrecke bergab, bei der die Avid Elixir mit 203 mm Scheiben am Rande ihrer Belastungsgrenzen arbeitete, zu faden begannen und im Ziel völlig blau durchgeglüht waren. Wo wär ich da ohne Scheibenbremsen gewesen? Sicher wäre ich nach der fünften Kurve über den Anlieger hinauskatapultiert worden und im Fichtenwald detoniert. Keine schöne Vorstellung. 


Alles an ihm und seinem Bike ist scheinbar in einer Zeitschleife hängengeblieben. „Zurück in die Zukunft“ läßt grüßen, man könnte unzählige Dinge aufzählen, wie Trinkflasche,  Lenkerhörnchen, schmale Mythos XC- Reifen, schmaler Lenker und, und, und. Die Krönung wären eigentlich Rennrad- Käfige am Pedal und wie hier im Bild, der Schaltkäfig- Schutz. Auf einen gemeinsamen Nenner sind wir nie gekommen- er in seiner Welt, ich in meiner. Ich lasse es bergab auf flowigen Singletrails krachen, er auf dem Forstweg!

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